Und jetzt also: Profession Musiker. „Es macht einfach unheimlich viel Spaß sein Hobby zum Beruf zu machen“, sagt Ronny Weiland. Bleibt der erlernte Beruf dabei die beruhigende Rückversicherung? „Auf jeden Fall, ich weiß ja nicht, was jetzt passiert. Bist du in dieser Situation studierter Musiker, dann musst du es auf Biegen und Brechen versuchen. Ich hingegen könnte zurück in meinen Lehrberuf, wenn es denn mal nicht so gut laufen sollte“. Tja, wenn!
Nicht sehr wahrscheinlich. Zumal sein Einstieg ins Showbiz zwar einen makabren Anlass, aber durchaus auch etwas Versöhnliches hat. Es begann mit den ersten Worten, die Rebroff und Weiland wechselten. „Ich hatte ihm ein paar Aufnahmen von mir geschickt“, erzählt der Thüringer, „und eines Tages bekam ich einen Anruf von ihm. Er fragte: Wissen Sie, wer Sie gerade anruft? Ich tippte auf Dieter-Thomas Heck; er lachte. Es war Rebroff. Wir verabredeten uns, aber dann wurde er krank und sein Management fragte mich, ob ich ihn vertreten könne. Ich sagte zu ohne zu ahnen, dass aus den zwei, drei Konzerten eine Gedächtnistour für ihn werden könnte.“ Ivan Rebroff starb kurz nach dieser ersten Begegnung.
Würdiger als Ronny Weiland hätte ihm wohl niemand die letzte Ehre erweisen können, weshalb er inzwischen auch mit Rebroffs einstigem Begleit-Ensemble „Sabawa“ tourt. Ansonsten wäre die wunderbare Nische, die Ivan geschaffen hat, leider heute unbesetzt. Dass Weiland sie füllen würde, zeichnete sich sehr bald ab: 2007 siegte er beim Casting „Superstar der Volksmusik, 2008 folgte die erste kleine Tournee und 2009 schließlich ein Engagement zur Weihnachtstour mit Michael Hirte & Friends.
Im Newcomer-Wettbewerb der MDR-Show „Gesagt ist gesagt“ setzte sich Ronny Weiland im Sommer 2010 mit sage und schreibe 53% gegen seine vier Mitbewerber durch und sicherte sich mit seinem spektakulären Sieg auch noch einen gefeierten Auftritt bei der „Krone der Volksmusik“, DEM Genre-Highlight des Jahres, als eine der bemerkenswertesten Entdeckungen 2010! Im Sommer 2011 tourte Ronny Weiland erneut mit Michael Hirte, im Herbst 2011 ist er mit dem Ensemble SABAWA auf Kirchenkonzert-Tournee und ab Ende November 2011 – direkt im Anschluss an die Veröffentlichung seines Debüt-Albums – ist Ronny Weiland mit Marianne & Michael bei ihrer „Alpenländischen Weihnacht“ unterwegs.
Bleibt eine letzte, heikle Frage: Warum faszinieren uns russische Klänge – und tun sie das im Westen genauso wie im Osten, wo die beiden Teile Deutschlands doch eine so unterschiedliche Geschichte mit Russland verbindet? „Zum einen lässt sich die russische Sprache mit ihren Vokalen ganz anders zum Klingen bringen als die deutsche“, startet Ronny Weiland unverfänglich, „außerdem umgibt sie eine unbeschreibliche Mystik. Wenn ich meine Lieder in der Kirche singe, dann kann ich regelrecht beobachten, wie die Leute Gänsehaut kriegen. Das ist im Westen so wie im Osten. Es sind aber mittlerweile auch gut 20 Jahre vergangen seit der Wende.
Hätte ich diese Lieder damals im Osten gesungen, dann hätten bestimmt manche Leute gesagt: Ach nee, das hatten wir jetzt 40 Jahre, wollen wir nicht mehr. Es gibt im Osten mit all seinen Problemen, mit der Arbeitslosigkeit und der Erkenntnis, dass der Westen gar nicht so golden ist wie vermutet, eine Art der Rückerinnerung. Man entdeckt dort seit einiger Zeit eben auch Musik wieder, die jahrelang abgemeldet war. Meine Lieder gehören dazu.“ Steht die deutsche Seele der russischen etwa viel näher als man im amerikanisierten Westen lange Zeit zu glauben wagte? „Kann ich nicht beurteilen“, sagt Ronny Weiland, „aber die West-Orientierung ist aus der deutschen Geschichte ja nur logisch, besonders in der Popmusik.
Alles singt englisch, klar. Für mich ist das nicht schlecht, da habe ich mit meinen russischen Liedern so etwas wie einen Exotenbonus“. Und dann nippt er am Kaffee und guckt so, als habe er einen Bonus nötig. Zum allerersten Mal glauben wir ihm nicht.
Ronny Weilands Debüt-Album „Russische Seele“ erscheint am 25. November 2011.